Gotthilf Weisstein

Gotthilf Weisstein
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Gotthilf Weisstein (* 6. Februar 1852 in Berlin; † 21. Mai 1907 ebenda) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Bibliophile.

Leben
Weisstein war der Sohn eines Kaufmanns und besuchte die Grützmachersche Vorschule am Hausvogteiplatz und darauf das Königliche Französische Gymnasium, wo er 1870 das Abitur bestand. Er studierte in Berlin bei Moriz Haupt, Moritz Lazarus und Heymann Steinthal Klassische Philologie, Sanskrit und Philosophie, später Germanistik. Ein Promotionsvorhaben scheint missglückt zu sein. Weisstein gab seine Absicht, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, auf und wurde Journalist. Seine erste Redakteursstelle erhielt er bei der „Stuttgarter Chronik“, dann arbeitete er für das Stuttgarter „Neue Tagblatt“, ab 1880 war er als ständiger Mitarbeiter des Berliner Tageblatts und der Tribüne beschäftigt, von 1884 bis 1887 war er neben Oscar Blumenthal Feuilletonredakteur und Theaterreferent des „Berliner Tageblatts“. Dann widmete er sich einige Zeit seinen abgebrochenen germanistischen Studien. Später arbeitete er für die National-Zeitung, für die er viele Kritiken, Essays und Feuilletons schrieb. Er gehörte neben Fedor von Zobeltitz und anderen 1899 zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft der Bibliophilen in Weimar und des Berliner Bibliophilen Abends (1905).

Werk
Er hat bedeutende Beiträge zur literaturgeschichtlichen Forschung geleistet (Goethe, Schiller, Kleist, Maler Müller, Karl Philipp Moritz u.a.). Berliner Geschichte und Theatergeschichte waren seine Spezialgebiete, viele seiner umfangreichen Feuilletons befassen sich mit altberliner Themen. Manches geplante Werk ist durch seinen frühen Tod nicht zustandegekommen, so eine „Geschichte des Berliner Humors“, eine Darstellung der Wirksamkeit des Berliner Theaterdirektors Döbbelin und eine Bibliographie deutscher Privatdrucke. Als bibliographisch gebildeter Sammler ging er, wie Fedor von Zobeltitz schreibt, „literarisch“ vor, und zog „auch das kurzlebig Gebliebene, Eintagsfliegen und Ephemerisches, in sein Bereich“ . . ., „wenn es ihm zur Charakteristik einer dramatischen Epoche wichtig erschien“. „Weisstein war . . . ein Aufspürer verschollener Rara mit wahrhaften Entdeckerinstinkten, wie ich sie später nur noch bei Schüddekopf gefunden habe“. (Zobeltitz)

Bibliothek Weisstein
Seine umfangreiche Bibliothek wurde nach seinem Tode katalogisiert und vom Bruder Gotthilf Weissteins, dem Baurat Herman Weisstein, 1923 als Vermächtnis an die Staatsbibliothek zu Berlin gegeben und dort von Hans Lindau, einem Sohn des Weissteinfreundes Paul Lindau, bibliothekarisch betreut. Durch Herman Weisstein wurden alle Bücher mit einem schlichten Exlibris versehen. Nach dem Tode Herman Weissteins ließ die Witwe Margarete Weisstein (möglicherweise schon unter dem Eindruck zunehmender antijüdischer Repressionen) die Bücher 1933 durch den Antiquar Martin Breslauer verkaufen. Ein kleiner Teil der Sammlung konnte von der Staatsbibliothek mit Geldern der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft zurückgekauft werden, weitere 700 Bücher zur Theatergeschichte sind von der Clara-Ziegler-Stiftung (heute Deutsches Theatermuseum) gekauft worden. Heute tauchen Exemplare aus Weissteins Bibliothek häufig im Antiquariatshandel auf. Der Katalog erschien 1913 in 2 Bänden mit 9124 Eintragungen. Er ist noch heute ein informatives Nachschlagewerk für Drucke zur deutschen Theatergeschichte und für seltene Drucke der klassischen und romantischen Literaturepoche. Weissteins vermutlich umfangreicher Nachlass an Manuskripten und Briefen ist verschollen. Einzelstücke, wie z. B. eine Postkarte Fontanes an Weisstein, werden im Autographenhandel angeboten.

Weisstein wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben. Auf seinem Grab steht das Distichon:

Viele erfreute Dein Geist und Deine stets fröhliche Rede.
Unvergessen bleibst Du allen, die Dich gekannt.

Werke (Auswahl)
* Paul Lindau, eine Charakteristik. (Mit Richard Nathanson) Berlin: Stuhr 1875
* Beiträge zu Maler Müller’s Lebensgeschichte. Berlin: Mosse 1883
* Carl Philipp Moritz. Beiträge zu seiner Lebensgeschichte. Berlin: Harrwitz 1899
* Freundesgaben für Karl Frenzel zu seinem goldenen Doktorjubiläum am 19. Febr. 1903. Berlin: Nationalzeitung 1903
* Des vergnügten Weinhändlers Louis Drucker’s humoristischer Nachlaß. Neu herausgegeben mit biographisch-kritischen Notizen versehen von Gotthilf Weisstein. Berlin : Frensdorff 1906
* Meininger Erinnerungen. Berlin: E. Meyer 1906
* Bibliothek Weisstein. Katalog der Bücher des verstorbenen Bibliophilen Gotthilf Weisstein. Herausgegeben von Fedor von Zobeltitz. Im Auftrag des Königlichen Baurats Hermann Weisstein für die Gesellschaft der Bibliophilen. 2 Bände. Leipzig: Drugulin 1913
* Heitere Episoden aus der Geschichte des Theaterzettels. Nach älteren Quellen und eigenen Sammlungen mitgeteilt von Gotthilf Weisstein. Bargfeld: Luttertaler Händedruck 2007. ISBN 3-928779-23-0
* Berichte aus der Bücherwelt. Herausgegeben von Ulrich Goerdten. Bargfeld: Luttertaler Händedruck 2007. ISBN 3-928779-24-9
* Alt-Berlin in Gotthilf Weissteins Feuilletons. Herausgegeben von Ulrich Goerdten. Bargfeld: Luttertaler Händedruck 2007. ISBN 978-3-928779-25-8

Quelle Text: Wikipedia

3 Gedanken zu „Gotthilf Weisstein

  1. Helmut

    Diesen Mensche ich bis zu dem Augenblick nicht, als er Thema im Stein-Reich-Blog wurde. Und wieder was gelernt. Danke schön.

    Liebe Grüße nach GAP

    Helmut

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  2. Elke

    So ein bisschen missmutig und verlebt sieht er ja schon aus! Ich bin auch eine Bibliophile, möchte ich nur mal anmerken 😉
    Aber ich hab leider keinen Stein im Namen 🙁
    LG – Elke

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  3. Ulrich Goerdten

    Hallo Elke, „verlebt“ war er bestimmt schon mit Anfang 50, vermutlich aber krankheitsbdingt. Schon als junger Mensch ist er „auf Kur“ in Bad Mergentheim gewesen. Nach allen Berichten über ihn ist er aber nie missmutig oder sauertöpfisch gewesen, sondern immer witzig und heiter. Er war ein Genießer – und das nicht nur bei den Büchern.
    LG Ulrich

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