Backofenstein

Endlich mal wieder ein Stein, der der Ernährung dient! Danke, Engelbert 😀

Backofenstein
Foto aus Wikipedia, Urheber: Frank C. Müller
Aufgemauerter Backofen aus den 1920er Jahren mit Backofensteinen innen und Fliesenverkleidung außen

Backofensteine wurden bis etwa 1950 als natürliche Steine zum Bau von Backöfen verwendet, danach ging die Nachfrage zurück und es gibt nur noch wenige spezialisierte Handwerker, die diese Technik beherrschen.

Für den historischen Stein-Ofenbau sind nur spezielle feuerfeste Gesteine wie Trachyte, vulkanische Tuffe und Schlackenagglomerate geeignet. Der Beruf der Backofenbauer ist im handwerklichen Beruf der Ofen- und Luftheizungsbauer aufgegangen, die sich mehr mit dem Bau anderer Öfen, wie beispielsweise dem Kaminofen, befassen. Früher waren die traditionellen Backofenbauer Steinmetzen, Steinhauer oder Maurer und lebten in den Orten um die jeweiligen Steinbrüche, wobei das bedeutendste Zentrum des Backofenbaus in der Vulkaneifel in dem kleinen Ort Bell lag. Des Weiteren gab es Backofenzentren in Gershasen bei Westerburg im Westerwald und Königswinter im Siebengebirge sowie eines bei Pelm. Die historischen steinernen Backöfen werden Altdeutsche Backofen und das Brot aus diesen Steinöfen wird Steinofenbrot genannt.

Abgrenzung
Für den Backofenbau sind nur bestimmte Gesteine geeignet. Nicht geeignet sind die Natursteine, die für die sog. „heißen Steine“ zur Essenszubereitung verwendet werden. Als heiße Steine werden polierte Gabbros (z. B. Impala) und zum Warmhalten von Speisen in Kaminöfen polierte Serpentinite oder auch Speckstein verwendet. Da die meisten Gesteine vulkanischen Ursprungs sehr porös sind, würden sie bei einer Verwendung als heißer Stein bei der Zubereitung von Lebensmitteln zu unerwünschten Fettanhaftungen führen.

Als Naturbaustoffe neben den Backofensteinen wurden für Backöfen Lehm oder Ziegel verwendet.

Backofenbauzentren
Das bedeutendste Zentrum des Backofenbaus befand sich in dem kleinen Ort Bell. Des Weiteren gab es Backofenzentren in dem Dorf Gershasen bei Westerburg im Westerwald, in Königswinter im Siebengebirge und eines weniger bekanntes bei Pelm in der Pfalz.

Bell
In Bell, das bis in die 1930er Jahre das Zentrum des Backsteinofenbaus war, wird davon ausgegangen, dass der Backofensteinbau aus natürlichen Steinen auf eine tausend Jahre alte Tradition zurückblicken kann. Im Jahre 1822 hat nahezu die gesamte Dorfbevölkerung und in den 1920er Jahren haben immerhin noch etwa 500 bis 600 Personen des Ortes vom Backofenbau gelebt. Die Öfen wurden nicht nur im Inland, sondern auch in Frankreich, Belgien und Luxemburg aufgebaut.

Die Bellersteine oder Weibernsteine, die bei Bell gebrochen wurden, zählen im technischen Sinne zu den Weichgesteinen. Sie lassen sich in bruchfeuchtem Zustand besonders einfach formatieren und sind extrem feuerfest. Der Bellerstein wurde aufgrund seiner Güte Beller Backofenstein genannt. Die Steinbrüche um Bell sind heute (2009) nicht mehr im Abbau, allerdings gibt es in diesem Ort aufgrund dieser handwerklichen Tradition noch drei Ofenbaufirmen, die sich mittlerweile auf den Industrieofenbau, den sog. Dampf-Stahlbackofen, spezialisiert haben.

Bei der Abtei Maria Laach kann auf einem Lehrsteinpfad, unweit von Bell entfernt, ein im Querschnitt aufgemauerter Steinbackofen betrachtet werden.

Beller Geheimsprache
Die Beller Backofenbauer verbrachten 3 bis 4 Tage oder ein bis zwei Wochen auf Baustellen je nach Größe des Ofens und Anzahl der Arbeitskräfte. Um zu verhindern, dass andere den Beller Ofenbau nachahmten, entwickelten sie eine Geheimsprache, um ihr Wissen nicht preiszugeben. Diese Geheimsprache wird Lebber Talp genannt. Die Grundfläche, die sog. Herdplatte, auf der im Herd gebacken wird, heißt Talp. Der Backofenstein selbst wurde nach seinem Vorkommen Beller Stein, Weiberner Stein und Riedener Stein genannt und war nicht verklausuliert.

Teile dieser Sprache, die dem Dialekt der Beller entnommen sind, werden ähnlich wie bei dem französischen Verlan rückwärts gesprochen. Einzelne Verben und Substantive werden gedreht, Suffixe und Affixe bleiben teils bestehen. So wird aus Beller Platt die Geheimsprache Lebber Talp oder aus Mädchen wird Nächdäm. Die Sprache wurde in neuerer Zeit untersucht und festgestellt, dass dieses Geheimwissen bei älteren Beller Bürgern teilweise noch vorhanden ist. Da der Beruf des Ofenbauers für den Ort kaum noch Bedeutung hat, schwindet auch das Wissen um diese Sprache. Dennoch wird ihr eine Überlebenschance eingeräumt, da sich ein öffentliches Interesse an dieser Sprache entwickelt hat und sich ein Funktionswandel in einer Übernahme von Teilen in die Alltagssprache regional anbahnt.

Quelle Text: Wikipedia – dort gibt es noch weitere interessante Informationen

5 Gedanken zu „Backofenstein

  1. Helmut

    Das erinnert mich an unseren Bäcker aus der guten alten Zeit. OOOOhhh und wie lange war ich schon nicht mehr in seiner Backstube. Wäre mal wieder einen Besuch erforderlich. Ach ja und ein Bäckerei- und Zuckerbäckermuseum haben wir in Gochsheim auch noch zu bieten.

    Und jetzt nehme ich das Angebot meiner Koje wahr.

    Salut
    Helmut

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  2. Eveline

    Kein Brot ist besser, als wenn’s aus so nem Ofen kommt, da kann all das „moderne Zeugs“ nicht mithalten!!

    Mir fiel da grad was ein, Mail kommt 😀

    Schneeball über’n Daniel werf :mrgreen:
    Huggels, Eveline

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  3. Katinka

    Hallo Helga,
    schließe mich Eveline an – so ein Brot aus dem Ofen ist einfach nur super lecker!

    Einen schönen 1. Dezember wünsche ich Dir,
    Liebe Grüße
    Katinka

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