Kornelkirsche

Die Steinfrucht Kornelkirsche (Cornus mas), auch Herlitze, Dürlitze, Gelber Hartriegel, in Österreich auch Dirndl bzw. Dirndlstrauch, in der Deutschschweiz Tierlibaum genannt, gehört zu den Hartriegelgewächsen (Cornaceae). Die Blütezeit liegt in Deutschland im März/April, in der Regel sogar noch vor der Forsythie.

Der Artikel bei Wikipedia ist elendslang, aber es gab für mich so viele Ahs und Ohs beim Lesen, das ich ihn nur wärmstens empfehlen kann.
Hier trotzdem eine kleine Auslese:

  • Durch die frühe Blüte ist die Kornelkirsche eine besonders wichtige Bienennährpflanze, dazu durch die Früchte ein Vogelschutz- und -nährgehölz. Der Strauch eignet sich auch für regelmäßige, geschnittene Hecken.
  • Das Holz mit rötlichweißem Splint und dunklem Kern ist so hart und schwer, dass es im Wasser nicht schwimmt, sondern sinkt; es ist das härteste, das in Europa wächst.
  • Sehr auffällig ist der Strauch im zeitigen Frühjahr, wenn er noch vor dem Laubaustrieb mit Tausenden von kleinen, goldgelben Blüten übersät ist, die einen schwachen Honigduft abgeben.
  • Im Volksmund werden die Kornelkirschen scherzhaft auch „Hahnenhoden“ genannt
  • Es wurden fossile Reste der Gattung Cornus, die schon aus der jüngeren Kreidezeit stammen, und auch mehrere Arten aus dem Tertiär gefunden. In Italien hat man in stein- und bronzezeitlichen Pfahlbauten häufig Kornelkirschkerne gefunden. Die Kornelkirsche war dort (im „Welschland“) offenbar so stark verbreitet, dass sie auch „Welsche Kirsche“ genannt wurde. So heißt es in Zedler´s Universal Lexicon von 1733, „daß die Cornellen in Ober-Teutschland annoch Welsche Kirschen heissen“. Weiter heißt es dort: „Dieser Baum wird in denen Gärten und Lust-Höfen unterhalten“. Nachweislich wird in Deutschland die Kornelkirsche schon seit Beginn des Mittelalters angepflanzt, so in den Klostergärten der Benediktiner. Schon die hl. Hildegard von Bingen (1098–1179), eine Benediktineräbtissin, empfahl sie gegen Gicht und für den Magen. Eine Anzahl weiterer Nachweise für die Bezeichnung stammt aus dem 16. Jahrhundert. So ist für England, wo die Kornelkirsche nicht heimisch ist, bereits für 1551 ein Exemplar in Hampton Court Palace bei London, dem damaligen Sitz des Königs, nachgewiesen.
  • Sie wächst nur langsam und trägt erst im Alter von 8–10 Jahren Früchte.
  • Laut verschiedenen Pflanzenbüchern erreicht der Kornelkirschenbaum ein Alter von etwa 100 Jahren. Unter guten Standortverhältnissen dürfte er aber weit älter werden; dies ganz abgesehen von dem sagenhaften Bericht, wonach im alten Rom eine 800-jährige Kornelkirsche gestanden haben soll. Wie das Bundessortenamt 1999 berichtete, steht in Eisleben-Helfta ein etwa 250-jähriges Exemplar, 9 m hoch und mit einem Stammumfang von 1,80 m. Weitere eindrucksvolle Exemplare stehen in Bonn-Bad Godesberg am Eingangstor zur so genannten Redoute, unweit hiervon im Godesberger Stadtpark ein weiteres altes Exemplar, im Garten des ehemaligen Klosters Loccum, Niedersachsen, am Abhang des Heidelberger Schlosses, in Bad Wimpfen im Bereich der ehemaligen Kaiserpfalz, im Alten Botanischen Garten von Zürich und in Karlsbad (heute Karlovy Vary in Tschechien) vor dem 1895 erbauten ehemaligen Kaiserbad.
  • Schon zur Zeit des Barock war die Kornelkirsche eine beliebte Pflanze für geschnittene Formhecken. Noch erhaltene Beispiele: der 1620 angelegte Hofgarten im Zentrum Münchens (nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg anhand von Originalvorlagen wieder neu angelegt), der Südeingang des spätbarocken Parks von Schloss Rheinsberg, der 1811 gegründete Botanische Garten der Universität Breslau (heute Wroclaw in Polen), die Hofjäger-Allee in Berlin, die durch den Tiergarten zur Siegessäule führt.
  • Der botanische Name der Kornelkirsche ist Cornus mas, was sich mit „männlicher Hornstrauch“ übersetzen lässt. Schon die Römer nannten den Strauch/Baum cornus (Genitiv: corni, auch cornus, 2. Silbe lang), der aber wie alle Bäume im Lateinischen feminin war, wogegen die Frucht cornum (Genitiv: corni) hieß und vom grammatischen Geschlecht neutrum war. Für die Frucht gab es daneben noch die Verkleinerungsformen cornulium (Genitiv: cornulii, neutrum) und cornulia (Genitiv: cornuliae, feminin). Eine Anzahl römischer Schriftsteller wie Horaz, Ovid, Plinius der Ältere und Vergil erwähnen den cornus.
  • Die Frucht wurde in einigen deutschen Gegenden, so in Thüringen, auch Judenkirsche genannt, mundartlich, vor allem in der Schweiz, auch Judechriesi.
  • Heute wenig bekannt ist der schon 1790 erwähnte Name „Ruhrbeerstrauch“ bzw. „Ruhrkirschen“ für die Kornelkirsche. Die Früchte fanden nämlich früher Anwendung als Mittel gegen die rote Ruhr (durch Bakterien hervorgerufener, oft epidemisch auftretender Durchfall).
  • Vom Kornelkirschenbaum wurde praktisch alles genutzt: Blüten, Blätter, Rinde, vor allem aber das Holz und die Früchte. Heute ist, zumindest in Deutschland, seine wirtschaftliche Bedeutung stark zurückgegangen; eine gewisse Rolle spielen noch die Früchte zur Herstellung von Edelobstbränden.
  • Das sehr dichte und harte Holz des Kornelkirschbaums, das politurfähig und schwer spaltbar ist, diente vor allem in der Drechslerei und Wagnerei zur Herstellung von Werkzeugen, Radspeichen, Schusternägeln, Messergriffen, Hammerstielen, mathematischen Instrumenten und Kämmen, auch für Zahnräder in Mühlwerken. Da es aber stark schwindet, verlangte es sorgfältiges Trocknen. Daneben wurde es zur Erzeugung von Holzkohle verwendet. Rinde, Holz und Blätter enthalten Gerbstoffe, die zum Färben benutzt wurden. Mit Alaun und Pottaschenlauge soll die Rinde eine braune Lackfarbe ergeben. Die Borke mit ihrem 7–16%igen Lohgehalt eignet sich besonders zum Gerben.
  • Schon in italienischen Pfahlbauten der Jungsteinzeit und Bronzezeit ebenso in Österreich hat man Kerne der Kornelkirschen gefunden.
  • Aus dem Trojanischen Krieg wird eine grausige Geschichte berichtet: Der Herrscher Thrakiens ließ Polydoros, den jüngsten Sohn des Königs von Troja umbringen. Seine Krieger streckten mit ihren Speeren, die, wie damals üblich, aus dem Holz der Kornelkirsche gefertigt waren, den wehrlosen Polydoros nieder. Doch die Schäfte der Mordwaffen schlugen Wurzeln, und vom Blut des unbestatteten Jünglings genährt, konnte selbst noch das tote Holz der Speere ergrünen. Ein Kornelkirschenstrauch wuchs daraus heran. Später landete Aeneas, der mit wenigen Gefährten dem Massaker von Troja entkam, auf seiner Flucht zunächst an der Küste Thrakiens. Dort wollten sie als erstes den Göttern opfern. Für das nötige Brennholz bot sich ein Dickicht aus Kornelkirschen an. Als sie jedoch die ersten Äste brachen, quoll Blut daraus. Als weiteres grausiges Zeichen hörten sie dann eine Stimme, die sich als Geist des Polydoros zu erkennen gab. Genau hier war der Mord geschehen.
  • Wegen seiner Festigkeit und Zähigkeit war das Holz des Kornelbaumes wie kein anderes zur Herstellung von Speeren und Lanzen geeignet. Bei den alten Griechen und Römer war diese Verwendung so üblich, dass verschiedene Dichter des Altertums in ihren Metaphern nicht mehr von der Lanze sprachen, sondern von der Kornelkirsche, die der Krieger dem Feind entgegenschleuderte. So auch Ovid in seinen in den Jahren 2–8 n. Chr. entstandenen Metamorphosen. Statt schlicht „Schwang die Lanze“ zu sagen, heißt es in der sehr wortgetreuen Übersetzung von Johann Heinrich Voß aus dem Jahre 1798: „Schwang die mit Erz vorblinkende Last der Kornelle.“ An anderer Stelle spricht er etwas verständlicher vom „kornellenen Schaft“. In einer neueren Übersetzung des 12. Buches (Die Lapeten und Zentauren) ist zu lesen: „Grad ins Gesicht er gebohret die ungestählte Kornelle.“ Gemeint ist eine Lanze aus Kornelkirschenholz ohne stählerne Spitze.
  • In Ovids Schilderungen des Goldenen Zeitalters (Metamorphosen, VIII, 611) ernährt sich die bessere und friedlichere Hälfte der Menschheit von Erd- und Brombeeren sowie von Kornellen. Als die Götter Zeus und Hermes unerkannt bei dem alten Ehepaar Philemon und Baucis einkehren, setzen diese ihnen eingemachte Kornelkirschen vor.
  • Die Kornelle war im Altertum anscheinend so verbreitet, dass sie auch in der Schweinemast Verwendung fand. So heißt es bei Homer im 10. Gesang der Odyssee in der Szene, in der die Zauberin Kirke einen Teil der Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt.
  • Nach römischer Überlieferung hat noch zur Zeit von Kaiser Caligula (37 bis 41 n. Chr.) auf dem Palatin ein uralter Kornelkirschenbaum gestanden. Dieser soll seinen Ursprung darin gehabt haben, dass bei der sagenhaften Gründung Roms durch die Zwillinge Romulus und Remus im Jahre 753 v. Chr. Romulus seine Lanze als Grenzzeichen für die Stadt in den Boden stieß. Diese war, wie damals üblich, aus dem Holz der Kornelkirsche gefertigt. Die Lanze soll dann – als Zeichen für die geglückte Gründung – ausgeschlagen sein und sich zu dem Baum entwickelt haben. Auch andere römische Städte sollen auf ähnliche Weise von den römischen Auguren mit einem Stab aus Kornelkirschenholz als Ausrichtungspunkt gegründet worden sein.
  • Große Popularität hat das Holz der Kornelkirsche in Deutschland durch einen Spazierstock gefunden, den „Ziegenhainer“.
  • Auch als Heilmittel gegen die verschiedensten Gebrechen haben sich Teile der Kornelkirsche – Früchte, Blüten, Blätter und Holz – einen Namen gemacht. Noch heute findet man in der Heilmittelkunde den Begriff Fructus Corni (= Früchte des Kornelkirschenbaums) für eine Droge.
  • Wohl schon immer fand in Deutschland, zumindest in der südlichen Hälfte, die Kornelkirsche für Speisen und Getränke Verwendung. So gab es in Baden den Brauch, dass am Fastensonntag die Burschen von ihren Mädchen mit dem „Kuechlestruߓ bewirtet wurden: dünne Blütenzweige der Kornelkirsche, die in Teig getaucht und in kochendes Fett zum Backen gehalten wurden (Marzell, Kräuterbuch, 1922).
  • Den höchsten wirtschaftlichen Wert erlangt die Kornelkirsche durch die Herstellung von Kornelkirschenwasser mit Hilfe der Brennblase. Einige dieser Obstwässer laufen unter der mundartlichen Bezeichnung Zisserle. Allerdings haben sie in Deutschland bisher noch keine größere Bedeutung. Dagegen ist in Osteuropa seit langem die Herstellung von Wein und Likör aus Kornelkirschen üblich. Es wird vermutet, dass bereits in den steinzeitlichen Pfahlbauten Mitteleuropas Schmerz stillende, berauschende Getränke aus vergorenen Kornelkirschen gewonnen wurden.

Quelle: Wikipedia

Ein Gedanke zu „Kornelkirsche

  1. Michael Harbarth

    Geeignete Äste von Kornelkirschen zu bekommen, ähnelt einer Odyssee. Diese zu verarbeiten, besonders für den Anfänger, ein wahrer Alptraum. Ein fertiges, weitgehende naturbelassenes Produkt in den Händen zu halten, ein sinnlicher Genuss.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.