Feuersteinstraße

Feuerstein
Foto aus Wikipedia, Urheber: Dr. Henning Krämer, Geesthacht
Steinzeitliche Axt aus Flint; Länge 31cm

Mit Feuersteinstraße wird eine der ältesten rekonstruierten Handelsverbindungen, die rund 250 km lange Route über den Böhmerwald zwischen Bayern und Böhmen bezeichnet. Eine weitere derartige, über 100 km lange Straße existierte während der bankermischen Phase der frühen Jungsteinzeit auf der Schwäbischen Alb zwischen Gerlingen und dem Viesenhäuser Hof bei Stuttgart und Nürtingen und weiter bis zum Hauptabbauplatz Wittlingen.

Geschichte
Bereits vor 7000 Jahren gelangte Feuersteine aus Bayern in die Siedlungen des Pilsener und Prager Beckens. Nach den Untersuchungen des Geoarchäologen Alexander Binsteiner verband eine direkte Handelsroute die Arnhofener Mine mit den steinzeitlichen Siedlungsräumen Bayerns und Böhmens. Lediglich der Feuerstein als hartes Quarzmineral, der unterwegs bereits roh bearbeitet wurde blieb über Jahrtausende hinweg erhalten. Die Schlagabfälle ließ man liegen und markierte dadurch einen Weg nach Böhmen.

Feuerstein war der wichtigste Rohstoff der Jungsteinzeit, ein Teil der Werkzeuge und Waffen wurden wegen seiner hohen Härte und guten Spaltbarkeit, aus ihm hergestellt. Eines der größten bekannten alten Feuersteinbergwerke Europas liegt nahe der Ortschaft Arnhofen bei Abensberg im Landkreis Kelheim. In vielen tausend Schächten wurden die wertvollen gebänderten Plattenhornsteine gefördert. Die Enge der bis zu acht Meter tiefen Schächte lässt sogar Kinderarbeit vermuten.

Ein Großteil der Strecke führte offensichtlich entlang der Flüsse Donau, Regen, Naab und Schwarzach, wo in Ufernähe Überreste der Feuersteinbearbeitung identifiziert werden konnten. Man geht davon aus, dass diese Strecken per Einbaum zurückgelegt wurden. Nach der Passage von Furth im Wald und dem Pass von Waldmünchen, die zu Fuß bewältigt werden mussten, lässt sich die Spur des Feuersteins wieder nahe dem tschechischen Domazlice aufnehmen. Von da aus verläuft sie über das Pilsener Becken, vorbei an der Siedlungskammer von Rakovnik, bis nach Prag.
Hypothese

Ein solch entwickelter Betrieb einer Handelsstraße müsste auf einem Gesellschaftssystem beruhen, das bereits eine Spezialisierung in Berufszweige kannte, die aber neolithisch nicht belegbar sind. So wird nur angenommen, dass Prospektoren und Bergleute für die Förderung des Rohstoffes Feuerstein zuständig waren, während andere in den nahen Siedlungen Feuersteingeräte und Rohformen für den Export herstellten. Schließlich musste die Gemeinschaft Männer auswählen und sie längere Zeit für die anstrengenden Expeditionen von anderen Arbeiten im Dorf freistellen.
Abweichende Ansichten

Prähistoriker wie Marjorie de Grooth, bestreiten eine solche starke Arbeitsteilung im Alt- und Mittelneolithikum. Sie sehen die Weitergabe von Rohmaterialien als Teil eines Austauschsystems, das eher der Aufrechterhaltung der sozialen Kohärenz diente, als dem Erwerb von Reichtum. Ähnlich hätte es auch Straßen für Rijckholt-Feuerstein bei Maastricht und für verschiedene Obsidian-Quellorte geben müssen.

Quelle Text: Wikipedia

2 Gedanken zu „Feuersteinstraße

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