Belgischer Brocken

Belgischer Brocken
Foto aus Wikipedia, Urheber: B. Askholm

Der Belgische Brocken ist ein bei Vielsalm in den belgischen Ardennen abgebauter Naturstein, der als Schleifstein bzw. Wetzstein verwendet wird.

Geschichte
Die Geschichte des Abbaus in den Gruben der belgischen Ardennen (Gebirge) ist nachweisbar bis 1625, doch schon Plinius der Ältere (römischer Schriftsteller) erwähnt Schärfsteine aus dieser Region. Noch heute ist dieses Vorkommen wegen seiner Zusammensetzung weltweit einzigartig: In dem ca. 480 Millionen Jahre alten, eher weichen, graugelben Sedimentgestein aus vulkanischen Aschen und Tonen sind Unmengen feinster Granate ( 5 – 20 Mikron ) eingelagert. Nach Diamant, Korund und Beryll folgt der Härte nach mit deutlichem Abstand der Granat. Ähnlich einem Fußball ist die Oberfläche in Facetten aufgeteilt (Rhombendodekaeder). Genau diese Merkmale, nämlich Härte und Rundung der Körner, führen zu den hervorragenden Schärfeigenschaften.

De Blauwe Westeen
In Zusammenarbeit mit Labors der Universität Lüttich ließ eine neue Leitung der letzten noch verbliebenen Grube 1996/97 die geologisch nahen Schichten des traditionellen Gelben Belgischen Brocken untersuchen. Dabei entdeckte man einen hochwertigen Schärfstein mit identischen Eigenschaften, nur von blauer Farbe, welche von Eisenoxid herrührt. Er enthält ca. 30 % eingelagerte Granate, dadurch ist er etwas langsamer als der bekannte Gelbe, aber dafür langlebiger. Der große Vorteil des Blauen Steins liegt darin, dass die vorkommenden Schichten in Stärken von 15-20 cm verwertet werden können, wodurch man wieder schöne große Banksteine schneiden kann. Darüber hinaus eignet sich dieser Blaue Stein auch für Profilformen und – im Gegensatz zu anderen wesentlich härteren Profilsteinen – lässt sich seine Form auf einfachem Sandpapier noch für den individuellen Bedarf anpassen.

Coticule
Der traditionelle (gelber) Stein ist in guter bis sehr guter Qualität lieferbar. Er enthält 35-40% Granate. Die dünnsten Schichten liefern die beste Qualität, weswegen sie zur Stabilisierung mit einer Schieferlage verkittet werden. Der Stein kann aus diesem Grund selten als Bankstein angeboten werden, häufiger ist die vielkantige Form, als „Brocken“ bezeichnet, welche dem Stein seinem Namen gegeben hat. Er wird in 2 Qualitäten angeboten: Qualität I (selected) bietet einen homogenen Stein mit perfektem Äußeren, Qualität II (standard) kann leichte Schönheitsfehler aufweisen, welche die Schärfeigenschaften jedoch nicht beeinträchtigen. Der Unterschied zwischen Qualität I und Qualität II ist also eine rein optische Sortierung.

Wirkungsweise
Beim Abziehen von Werkzeugstählen wird der beim Schleifen entstandene Grat entfernt und die Schneidenspitze poliert. Reibt die Klinge des Werkzeuges über die mit Wasser befeuchtete, gleichmäßig feinkörnige Oberfläche des Belgischen Brockens treten die Granate hervor, lösen sich aus dem Muttergestein (Kornausbruch) und bilden so mit dem Wasser und der abgeriebenen Matrix aus Aschen, Ton und Glimmer einen dünnen Brei, die Schleifpaste. Die Rundungen der Granate dringen dabei nur leicht in den Stahl ein und nehmen feine Späne vom Metall ab. Die Härte des Granats aber verursacht einen sehr scharfen Abrieb. Durch die runde Form der Kügelchen entstehen allerdings keine Risse, sondern eine feine Politur. Diese Kombination von Schnelligkeit und Feinheit ist weltweit einzigartig. Durch sie kann eine Schneideschärfe erzielt werden, mit welcher z.B. die Holzfaser sauber quer durchtrennt werden kann.

Quelle Text: Wikipedia

3 Gedanken zu „Belgischer Brocken

  1. Brigida

    Kann sein, dass der Schleifstein, den wir als Kinder gedreht haben, damit die Sense und Klingen für die Mähmaschine vom Traktor geschliffen werden mussten, vom Vater natürlich. Der Schleifstein war rund, hatte ein Loch in der Mitte für das Gewinde und lief unten durch eine Wanne mit Wasser. Keine Ahnung, wie die Bauern das heute noch machen, zumindest müssen sie ja die Klingen der Mähmaschinen scharf halten….?
    glg Brigida

    Antworten

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