Abri

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Foto aus Wikipedia, Urheber: Quadricarinatus
Buntsandsteinabri (hier der Abri IX am Bettenroder Berg bei Reinhausen)

Ein Abri (franz.: Unterstand, Schutz, Obdach) ist ein durch Erosion entstandener, zumeist in Tälern von Buntsandstein- oder Jurakalkgebieten gelegener Felsüberhang. Das alte deutsche Wort für Felsüberhang lautet Balm.

Solche Unterschlüpfe werden auch „Halbhöhle“ (engl.: Rock shelter), „Felsdach“, „Felsnische“ oder „Felsvorsprung“ genannt. Sie boten Menschen und Tieren Schutz vor Nässe, Kälte und Wind, weshalb Abris zum einen für die Archäologie bezüglich steinzeitlicher Siedlungsspuren von hoher Relevanz sind, zum anderen für die Zoologie zum Nachweis von Nahrungsresten oder Winterruheplätzen bestimmter Tiere.

Entstehung
Abris entstehen etwa aus der Verwitterung von hartem mittlerem Buntsandstein. An freistehendem Fels führt die hygroskopische Struktur des Materials zu Wabenverwitterung sowie einer permanenten Absandung. Besonders in den glazialen Phasen treten Frostverwitterung, und je nach Lage auch Korrasionseffekte (Windabtragungen) auf. So entstehen aber nicht nur Felsdächer, sondern auch Hohlkehlen und in selteneren Fällen auch Pilzfelsen.

Buntsandstein
Im Buntsandsteingebiet des südlichen Leineberglandes zwischen den Orten Nörten-Hardenberg und Heiligenstadt, Göttingen befindet sich die größte Gruppe von Abris in Mitteleuropa. Sie finden sich in den schluchtartigen Felstälern zwischen der Leine und dem Eichsfeld oft auf engstem Raum. In einem Gebiet von rund 30 km Länge und 6 bis 10 km Breite sind heute rund 1600 Abris erfasst.

Kalkstein
In Felswänden von Tälern der Kalkgebirge entstanden Felsvorsprünge durch die stärkere Erosion schwacher Gesteinsschichten oder durch Auskolkungen während der Talbildung.

Archäologie
Unter Abris finden sich oft meterhohe Ablagerungen einer anhaltenden oder wiederholten menschlichen Nutzung aus den Epochen der Altsteinzeit bis ins Mesolithikum, vereinzelt auch bis ins Neolithikum oder späterer Zeit. In aufeinander folgenden Kulturschichten gefundene Geräte (z.B. die Abri-Audi-Spitzen) bilden die Grundlagen altsteinzeitlicher Chronologien.

Die meisten Spuren unter aufgesuchten Felsschutzdächern stammen aus der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit). Sie dienten Jägern vielleicht als Basislager. Von einer regelrechten Sammeltätigkeit kann angesichts der Fauna kaum oder nur saisonal ausgegangen werden. Ein solcher Platz wurde eher saisonal aufgesucht, bis die größeren Herdentiere weiter zogen.

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die offene Seite von Abris möglicherweise mit zeltartigen Konstruktionen aus organischem Material verschlossen wurde. Feuer- und Herdstellen deuten offenbar darauf, dass auch Nahrung zubereitet wurde.

Bekannte Abris im deutschsprachigen Raum:
* Sesselfelsgrotte (Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum) und Abri I (Gravettien und Magdalénien), beide in Neu-Essing
* Abri im Pfaffenholz (Altmühltal)
* Abris am Bettenroder Berg; besonders Abri IX (Lkrs. Göttingen),
* Chesselgraben (Kanton Solothurn)
* Helga-Abri, Gemarkung Schelklingen im Achtal, Feuerstellen des Magdalénien, des Spätpaläolithikum und des Frühmesolithikums.
* Felsställe bei Ehingen (Donau), Ortsteil Mühlen
* Gradonna (Osttirol),
* Schweizersbild bei Schaffhausen
* Allerberg (Lkrs. Göttingen),
* Bürgertal
* Stendel

Frankreich:
* Abri-Audi bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil in der Dordogne
* Abri-du-Roc-au Sorcier
* Blanchard (Dordogne)
* Caminade
* Abri Cap Blanc
* Castel Merle
* Cro-Magnon
* des Vachons
* Labattut bei Montignac
* La Cave
* Le Moustier (Dordogne)
* du Mannlefelsen (Haut-Rhin)
* Movius (Dordogne)
* Abri Pataud (Dordogne)

In geschichtlicher Zeit wurden in Frankreich und in der Schweiz Häuser unter großen Abris errichtet. Auch die Cliff Dwellings genannten Bauten der Indianer in Gila New Mexiko stehen unter weiten Abris.

Quelle Text: Wikipedia

4 Gedanken zu „Abri

  1. Beate

    Das ist sehr interessant und erinnert mich an zwei historische Romane die ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen habe:“ Die Rabenfrau “ und “ Unter dem Rabenmond “ von Regine Leisner.
    Ganz liebe Grüße von:
    Beate

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  2. Ocean

    Liebe Helga,

    das sieht faszinierend aus .. und ich seh in der Liste, dass es im Altmühltal auch so etwas gibt, das wäre ja einigermaßen in unserer Nähe..

    Die Schnarcherklippen sind ja doll ..ein witziger Stein .. und Faust – hat mich in der Schulzeit schon fasziniert!

    Frohe Weihnachten dir und deinen Lieben ..habt eine wunderschöne Zeit 🙂

    Ganz liebe Grüsse schickt dir
    Ocean

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