Steindruck

Steindruck - Lithographie
Fotos aus Wikipedia, Urheber: Chris 73
Spiegelbildliche Steinplatte und seitenrichtiger Abdruck einer Karte von München

Als Lithografie bzw. Lithographie (v. altgriech.: λίθος lithos, „Stein“ und γράφειν graphein, „schreiben“) werden bezeichnet:
– die Steinzeichnung als künstlerisches Ausgangsprodukt zur Vervielfältigung mittels Steindruckverfahrens (dieses gehört zu den Flachdruck-Verfahren)
– der Steindruck als das Ergebnis dieser Vervielfältigung
– das handwerkliche oder maschinelle Steindruckverfahren an sich; in der Kurzform wird dieses ebenfalls als Steindruck bezeichnet
Ein Lithograf ist eine Person, die als Steinzeichner (künstlerischer Part) oder Steindrucker (handwerklicher Part) an der Herstellung von Lithografien beteiligt ist oder beide Parts übernimmt.

Bis etwa 1920 war die Lithografie eine gängige Drucktechnik für verschiedenste Drucksachen, heute wird sie vorwiegend im künstlerischen Bereich eingesetzt. Für die heutige Massenproduktion ist sie ungeeignet, da sie im Vergleich zu neueren Drucktechniken zu aufwendig bzw. teuer ist und nur kleinere Auflagen hergestellt werden können.
Die zu druckende Zeichnung wird mit einer fetthaltigen Substanz auf den speziell zubereiteten (geschliffenen, gekörnten und entfetteten) feinporigen Kalkstein aufgebracht (z. B. Lithokreide oder -tusche).

Bei der Federlithografie wird eine Federzeichnung auf einem glatt geschliffenen Stein – auch Lithostein genannt – angebracht. Dies geschieht dann mit der fettfreien, lithographischen Tusche mittels einer Lithografiefeder. Dabei kann auch der Pinsel mit in die Arbeit einbezogen werden.

Im Fall der Kreidelithographie muss man, um eine Kreidezeichnung auf dem Stein anbringen zu können, dessen Oberfläche durch das Verreiben von Sand leicht körnen. Die Kreide hat eine ähnliche Zusammensetzung wie die Lithografietusche. Die Kreidelithografie ist eine der ausdruckstärksten Techniken der Graphik. Durch das Wischen mit einem speziellen Wischer, dem Estompe, und das Verreiben des Kreideauftrags lässt sich eine schummrige Wirkung, mit weichen Übergängen erzielen.

Für das Erzeugen von Halbtönen unterscheidet man bei der Lithografie verschiedene Techniken:

Die Federpunktiermanier, bei der man mit der Feder Punkt an Punkt auf den Stein setzt. Die Punktdichte hängt dabei vom jeweiligen vorgegebenen Tonwert der Vorlage ab.
Die Tangiermanier, die die Federpunktiermanier schließlich verdrängte, weil sie bedeutend einfacher war. Hier trägt eine gehärtete Gelantinefolie bereits das gewünschte Muster aus Punkten, Strichen u. ä., das nach dem Einfärben direkt durch Andrücken auf den Stein übertragen wird. Stellen, die dabei frei bleiben sollen, werden mit einer abweisenden Gummilösung bedeckt.
Bei der Spritzmanier, die schon seit Senefelder bekannt ist, wird ein farbgetränkter Pinsel über ein Sieb gestreift, dass über den Stein gehalten wird. Auch hier werden wieder die Stellen abgedeckt, auf denen später keine Farbe haften soll, um das gewünschte Muster zu erhalten. Man konnte so eine unregelmäßige Gliederung des Tons, durch den mehr oder weniger groben Farbauftrag erreichen.
Die Asphalt-Schabmanier (auch Asphalt- oder Tuschemanier genannt) ist eine Lithografietechnik, bei der ein gekörnter Stein nötig ist, auf den dann Tusche und Asphalt aufgetragen wird. Die Lichtpartien werden hier nachträglich nach dem Trocknen mit einem Schabmesser u.ä. herausgeholt. Das besondere bei dieser Technik ist, dass der spätere Druck nicht von dem vom Lithografen bearbeiteten Original- oder Mutterstein erfolgt, sondern von einem durch Umdruck hergestellten Stein, der auch als Maschinenstein bezeichnet wird.[1]
Um die fetthaltige Zeichnung auf dem Stein zu stabilisieren und die nicht zu druckenden Partien für die Farbe unempfindlich zu machen, wird der Stein mit Talk überwischt (damit es der so genannten Ätze möglich wird, an alle freien Stellen zu gelangen). Anschließend wird die Ätze (meist eine Mischung aus Gummi Arabicum und Salpetersäure) aufgetragen. Diese reagiert nun auf dem ungeschützten Grund der Zeichnung. Anschließend wird der Stein mit Gummi Arabicum überzogen, welches sodann von der Zeichnung herunter poliert wird, jedoch an den unbezeichneten Stellen im Stein verbleibt.

Ist der Stein getrocknet, wird die Farbe mit einem fetthaltigen Lösungsmittel (Terpentin, Lampenöl o. ä.) ausgewaschen, sodass auf dem Stein die Zeichnung nur noch als Fettgrund zurückbleibt, auf die die ebenfalls fetthaltige Druckerfarbe aufgetragen wird. Die Zeichnung stößt das Wasser ab (ist also hydrophob) und bindet die Farbe (ist lipophil), während der Stein das Wasser durch die in ihm abgelagerten Gummireste hält und deswegen keine Farbe annimmt

Zum Drucken wird nun meist ein leicht befeuchtetes Blatt Papier auf die Steinplatte aufgelegt und mittels einer geeigneten Presse unter sehr starkem Druck (im Gegensatz zum Hochdruck) auf diese gepresst. Einen neuen Abzug zu erstellen ist ein relativ geringer Aufwand. Die Platte muss nur erneut eingefärbt und erneut Papier aufgepresst werden. Wie bei allen direkten druckgrafischen Techniken entsteht so ein spiegelbildlicher Abdruck der Zeichnung.

Der spiegelbildliche Abdruck kann jedoch durch eine spezielle Technik vermieden werden: Zur Übertragung der Zeichnung auf den Stein wird dabei ein spezielles Papier verwendet. Auf diesem erfolgt die Zeichnung mit lithografischer Kreide oder Tusche auf dem Papier und wird anschließend auf den Stein übertragen. Diese Technik wird auch Papierlithografie oder Autografie genannt. In der Wissenschaft von den grafischen Techniken gibt es Vertreter, die die Umdruck-Lithografie bereits als Grenzfall der Originalgrafik ansehen (siehe auch Grafik, Kapitel Original und Reproduktion). Viele Künstler haben sich jedoch des Umdruckpapiers bedient, neben Daumier und Toulouse-Lautrec auch Nolde, Barlach, Matisse und Kokoschka. Diese Technik hat allerdings einen Qualitätsverlust im Druckbild zur Folge.

Nach der Benutzung kann der Stein, in der Regel ein feinkörniger Kalkstein, durch Abschleifen wiederverwendet werden. In Deutschland wird oft Kalkstein aus der Gegend von Solnhofen (Bayern, Fränkischer Jura) benutzt. Es handelt sich dabei um Kalkschiefer von unterschiedlicher Dichte. Die besten, dichtesten Sorten sind von grauer, die geringeren von gelblicher Farbe. Um dem Pressendruck stand zu halten, sollte die Steinplatte mindestens 6 cm dick sein.

Die Technik des Steindrucks wurde 1798 von Alois Senefelder entdeckt. Seit 1803 wurde diese Technik in Frankreich Lithographie genannt. Zunächst wurde der Steindruck nur für nichtkünstlerische Zwecke wie Text- und Notendruck verwendet. Der Musikverleger Johann Anton André aus Offenbach am Main veranlasste die Verwendung der Lithografie für die Vervielfältigung von bildnerischen Darstellungen. Er leitete damit die Entwicklung der Künstler-Lithografie ein.

Die Lithografie wurde von den damaligen Künstlern schnell aufgegriffen, denn von allen grafischen Verfahren kommt es der „handschriftlichen“ Arbeit am nächsten. Weder braucht der Künstler spezielle chemische Kenntnisse (wie bei Radierung oder Aquatinta), noch muss er wie etwa beim Kupferstich mit Werkzeug die Widerstände des Materials überwinden. Darüber hinaus war die Lithografie in Verbindung mit Druckpressen ein wirtschaftliches Massendruckverfahren, das Vervielfältigungen in nahezu unbegrenzter Zahl erlaubte.

Die Lithografie wurde daher nicht nur schnell zur autonomen Kunstform, die es dem Maler und Zeichner erlaubte, den ursprünglichen Charakter der Zeichnung zu bewahren; sie war auch für die Presse in den Zeiten vor der Fotografie ein schnelles Medium, aktuelles Zeitgeschehen bildhaft wiederzugeben. Einer der Ersten, der dieses Medium deshalb aufgriff, war Honoré Daumier, der über seine in kritischen Zeitschriften veröffentlichten Karikaturen die politischen Zustände von ca. 1830 bis 1872 angriff. Seine 4000 Lithografien erschienen vor allem in der Zeitschrift Le Charivari und sind heute digital mit interaktiven Suchfunktionen zugänglich im Daumier Register.

Die steigende Nachfrage nach farbigen Bildern wurde zunächst mit dem nachträglichen Kolorieren von ursprünglich einfarbigen Steindrucken befriedigt. Dieser manuelle Vorgang erforderte künstlerisches Geschick und war gleichzeitig mit hohem Zeitaufwand verbunden.

1837 patentierte der deutsch-französische Lithograph Godefroy Engelmann (1788-1839) aus Mühlhausen eine farbige Form der Lithografie unter dem Namen Chromolithografie, das bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts das gängige Verfahren für farbige Illustrationen hoher Qualität sein sollte. So hochwertig die Chromolithografien auch waren – nach dem Lichtdruck das hochwertigste Druckverfahren überhaupt – so aufwändig war ihre Ausführung. Das farbig zu druckende Bild wurde in bis zu 21 Farben zerlegt und anschließend in ebenso vielen Schritten übereinander gedruckt. Der Druck erfolgte dabei von hell nach dunkel, d.h. erst wurde die hellste Farbe gedruckt, danach die jeweils Dunkleren. Mit Hilfe von Passerzeichen (auch Register genannt) und Konturenzeichnungen wurde erreicht, dass das zu druckende Motiv über alle nötigen Druckplatten hinweg exakt übereinander gedruckt werden konnte. Das Ergebnis war ein praktisch rasterfreies Bild, in seiner Auflösung nur beschränkt durch die Genauigkeit, mit der die Farbsteine bearbeitet wurden. Das fertige Bild erreichte eine Farbqualität ähnlich der echter Ölfarben.

Große Verlagshäuser wie das Bibliographische Institut Leipzig und Wien beschäftigten gegen Ende des 19. Jahrhunderts große Abteilungen, die nur mit dieser hohen Kunstform der Lithografietechnik beschäftigt waren. In Österreich entwickelte Karl Antal Mühlberger den Steindruck weiter, so dass dieser auch grossformatig und vor Allem kostengünstig in der Werbung eingesetzt werden konnte.

Die Lithografie wurde sehr schnell die führende Reproduktionstechnik für Werbung und Reklame. Bedingt durch diese neue, preisgünstige Technik begannen Werbeplakate und Litfaßsäulen das Stadtbild zu verändern. Eine führende Rolle für die Entwicklung der frühen Plakate spielten französische Künstler wie zum Beispiel Jules Chéret und Henri de Toulouse-Lautrec. Toulouse-Lautrec bevorzugte großformatige Blätter, verbunden mit einer leicht zu handhabenden Kolorierung von wenigen Farbsteinen in Gelb, Rot und Blau, die auch von der Ferne anziehend wirkten.

Der Siegeszug des Plakates erzeugte um 1900 schnell einen Bedarf an Gebrauchsgrafikern, die zunächst aus anderen Branchen mit darstellerischem Schwerpunkt kamen, wie auch Architekten und Maler. Daraus entwickelte sich um die Jahrhundertwende der Beruf des Plakatmalers oder Werbegrafikers und des späteren Grafikdesigners.

Auch für Ansichtskarten, Werbeverschlußmarken, Etiketten oder den sog. Liebigbildern und Briefmarken wurde die Lithografie früher als Drucktechnik verwendet.

Da die Lithografie mit dem Aufkommen des bis heute gängigen Offsetdrucks, einem Flachdruck-Verfahren, ausstarb, sind vor allem Chromolithografien heute begehrte Sammelobjekte, die in Form ganzer Bücher oder Einzelblätter auf dem Fachmarkt hohe Preise erzielen.

Quelle Text: Wikipedia

3 Gedanken zu „Steindruck

  1. Renate

    Oh, da hat die (hoibscharige) Kunstgeschichts-Studentin mal wieder eine Wissenslücke entdeckt – irgendwie hab ich „Lithographie“ immer mit Holzschnitt verwechselt, dabei ist das die Xylographie (grad ergoogelt)!
    Welchen Ausschnitt von München zeigt denn die alte Karte? Ich würde jetzt mal bei dem unteren Viereck auf den Hofgarten und bei den Grünanlagen auf den Englischen Garten tippen, stimmt’s?
    Liebe Grüße
    Renate

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  2. Eva

    oh …. mein Vater ist von Beruf Lithograph, dass das Steindruck ist, das wusste ich nicht. Mein Vater war aber mehr im Offsetdruck tätig.
    Grüße von Eva 🙂

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