Via Mala

Der nostalgischen Kerstin haben wir diesen schwindelerregenden Steinwurf zu verdanken – herzlichen steinreichen Dank 🙂

Via Mala
Foto © Nostalgia

Diese beeindruckende Schlucht ist natĂŒrlich sofort auf meiner „Will-Hin-Liste“ gelandet :mrgreen:

Viamala oder Via Mala (rĂ€toromanisch, «schlechter Weg») bezeichnet einen frĂŒher berĂŒchtigten Wegabschnitt entlang des Hinterrheins zwischen Thusis und Zillis-Reischen im Schweizer Kanton GraubĂŒnden. Die tief eingegrabene Schlucht bildet das schwierigste Hindernis im Verlauf der Unteren Strasse von Chur zu den AlpenpĂ€ssen SplĂŒgen und San Bernardino.

x
Foto aus Wikipedia, Urheber: Fritz Geller-Grimm

Der römische Weg
Wie Forschungen von Armon Planta beweisen, fĂŒhrte bereits zur Römerzeit ein Weg durch die Viamala. Unklar ist, ob er mit Wagen befahren werden konnte. Felszeichnungen aus der Bronzezeit auf Carschenna weisen ausserdem darauf hin, dass schon damals (also etwa 1500 v. Chr.) ein Saumpfad ĂŒber die Alpen durch diese Gegend fĂŒhrte.

FĂŒr den Zugang zur Schlucht von Norden her gab es zwei Möglichkeiten: linksseitig von Masein ĂŒber Rongellen, oder rechtsseitig von Sils im Domleschg ĂŒber Burg HohenrĂ€tien und die Kirche St. Albin. Letztere Variante war wohl in römischer Zeit beliebter, wurde aber um 1300 durch RĂŒfen unpassierbar und erst 1666 nochmals erstellt, was wegen der Konkurrenz fĂŒr die Seite Thusis zum kurzzeitigen Ausschluss des Schams aus dem Grauen Bund fĂŒhrte. Beide Wege trafen sich am Nesselboden, dem nördlichen Eingang zur Viamala, welche die Römer linksseitig mit mehreren aus dem Fels gehauenen Halbgalerien bezwingen konnten. Vermutlich im Bereich der heutigen AutostrassenbrĂŒcke leitete eine hölzerne BrĂŒcke den Verkehr wieder auf die rechte Rheinseite, ĂŒber Reischen nach Zillis.

Der Viamalabrief von 1473
Im Mittelalter verlagerte sich der Fernverkehr vom SplĂŒgenpass mehr und mehr auf die konkurrierende, vom einflussreichen Churer Bischof geförderte Obere Strasse ĂŒber den Septimerpass. Der schlecht unterhaltene Weg am Hinterrhein verfiel zusehends, weshalb Schlucht und Weg seit dem 13. Jahrhundert Viamala genannt wurden.
1473 beschlossen die Gemeinden Thusis, Masein und Cazis, die richstrass und den waeg entzwĂŒschend Tusis und Schams, so man nempt Fyamala zuo howen, uffzuorichten und ze machen. Bei diesem mutigen Vorhaben fanden die Heinzenberger durch die anderen Porten (Transportgenossenschaften) entlang der Unteren Strasse UnterstĂŒtzung. Anstatt der alten HolzbrĂŒcke erstellte man etwa 1.5 km weiter sĂŒdlich die mĂ€chtige steinerne Punt da Tgiern. Das römische WegstĂŒck wurde saniert und anschliessend bis zur neuen BrĂŒcke ein kĂŒhner Weg teils aus dem Fels gehauen, teils auf Holzstegen ĂŒber dem schwindelerregenden Abgrund gefĂŒhrt.

Der Bischof konnte nicht verhindern, dass die ausgebaute SplĂŒgenroute zur wichtigsten BĂŒndner Transitverbindung avancierte; seine Macht war geschwunden und die Gerichtsgemeinden entwickelten sich in den Drei BĂŒnden zum SouverĂ€n. Neben SĂ€umerkarawanen, Handelsreisenden, Diplomaten und «frĂŒhen Touristen» passierte auch der Lindauer Bote, ein von der Stadt Lindau organisierter Kurierdienst, auf seinem Weg nach Mailand die Viamala.

Die Verkehrsgeschichte der Viamala wird im Sommer in nĂ€chtlichen Shows Besuchern prĂ€sentiert als „Viamala Notte“.

Neuzeitliche Ausbauten
In den Jahren 1738–1739 erstellte der Davoser Baumeister Christian Wildener zwei BrĂŒcken, mit denen der exponierteste Abschnitt des römischen Viamala-Weges rechtsseitig umgangen werden konnte; eine davon hat sich bis heute erhalten.
WĂ€hrend der Hungersnot in GraubĂŒnden im Jahre 1816 verfaulten aber immer noch aufgekaufte und vorhandene NahrungsmittelvorrĂ€te sĂŒdlich der Alpen, weil die TransportkapazitĂ€ten ĂŒber die PĂ€sse nicht ausreichten. Unter diesem Eindruck trieb der Staat den Ausbau eines Strassennetzes voran, auch mit dem Auftrag des Baus einer Strasse ĂŒber den San Bernardino Pass. Unter der Leitung von Richard La Nicca entstand 1818–1821 die neue Fahrstrasse in der Viamala. Sie fĂŒhrt in der nördlichen Zufahrt mit Tunnel und Galerien durch das Verloren Loch und eliminiert so die Gegensteigung ĂŒber die Rongeller Höhe. Die drei vorhandenen BrĂŒcken wurden weiterhin benutzt, dazwischen ein neues Trassee aus dem Fels gesprengt.

Ein verheerendes Hochwasser zerstörte 1834 die Strasse im Bereich der Punt da Tgiern. Die BrĂŒcke selbst hielt stand, war aber danach nutzlos und wurde dem Verfall preisgegeben. Als Ersatz baute man 1836 nördlich davon die Rania-BrĂŒcke. Der Strassenverlauf von 1836 entspricht der heutigen Kantonsstrasse, abgesehen von einem neuen Tunnel beim A13-Anschluss und den zwei BrĂŒcken, die 1935/38 die Aufgabe der dem Autoverkehr nicht mehr gewachsenen Wildener-BrĂŒcken ĂŒbernahmen (die eine BrĂŒcke blieb bestehen und ist fĂŒr FussgĂ€nger zugĂ€nglich). Zwischen den beiden BrĂŒcken, an einem Parkplatz mit Kiosk, fĂŒhrt eine Treppe mit 321 Stufen in die Tiefe der Schlucht.

Die 1967 eröffnete Autostrasse A13 umfĂ€hrt den engsten Abschnitt in einem 742 m langen Tunnel und ĂŒberquert den sĂŒdlichen Teil der Viamala auf einer grossen BrĂŒcke. Das bereits 1958 neu gebaute TeilstĂŒck zwischen Thusis und Rongellen wurde 1996 durch den 2171 m langen Crapteig-Tunnel ersetzt.

Im selben Jahr wurde der historische rechtsrheinische Weg durch den Bau einer BrĂŒcke, welche die Reste des römischen Wegverlaufes verband, erneuert. Diese BrĂŒcke tat es dem römischen Weg gleich und wurde 1999 von Steinschlag zerstört. Die 2005 erstellte neue BrĂŒcke ist lĂ€nger und zugleich eine Treppe. Eine weitere FussgĂ€ngerbrĂŒcke im sĂŒdlichen Teil macht die Wanderung zum Erlebnis.

Quelle Text: Wikipedia

8 Gedanken zu „Via Mala

  1. Elke

    Als ich Kind war, gab es noch keine Hollywood-Horrorfilme im Fernsehn, aber was zum Gruseln schon. Ich denke noch immer mit einem kleinen Schaudern an den alten Film mit Mario Adorf.
    Lieben Gruß
    Elke (Mainzauber)

    Antworten
  2. Quizzy

    Den Titel des Films kenn ich, gesehen hab ich ihn leider noch nicht. Der Weg schaut super aus! Wie ich die Frau Nostalgia kenne, ist sie da nicht runtergestiegen, weil’s ihr da vermutlich genauso wie mir vor dem steilen RĂŒckweg graust 🙂
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Renate

    Antworten
  3. Kerstin

    Da muss ich Frau Quizzy leider enttĂ€uschen – ich bin alle Stufen hinab gestiegen 😉 Und somit auch wieder hinauf *gg* War gar nicht so schlimm! Das wollt ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.
    Ist schon beeindruckend!
    LIebe GrĂŒĂŸe
    Kerstin

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert