TP-Stein

TP-Stein
TP am Wartbergturm in Heilbronn

Siehe auch: Stoamandl

Trigonometrische Punkte (TP) (manchmal auch „Trigonometer“) sind Beobachtungspunkte der Landesvermessung bzw. eines größeren Dreiecksnetzes. Sie bilden mit ihren Koordinaten und ihrer Festlegung im Gelände eine wesentliche Grundlage für Geodäsie und Kartografie.
In den topografischen Karten sind die TP als kleine Dreiecke markiert. Im Gelände dienen solche Punkte geodätischen Anschlussmessungen, der Orientierung und als Fixpunkte für örtliche Vermessungen.

Hoch- und Bodenpunkte
Man unterscheidet Hochpunkte und Bodenpunkte. Hochpunkte sind meist die Spitzen von Kirchtürmen (es gilt meist der Knauf unter dem Kreuz) und andere deutlich sichtbare Punkte auf hohen Gebäuden, ferner Gipfelkreuze, Fabrikschlote und hohe Sendeantennen. Sie dienen meist als Zielpunkt und nur in Sonderfällen (Turmstube, Exzenter) als Standpunkt einer Messung, im Gegensatz zu den Bodenpunkten.

Diese sind im freien Gelände aufwändig vermarkt: unterirdisch durch eine Granit- oder Stahlplatte, die etwa 1 Meter tief liegt und in deren Mitte eine Kreuzmarke eingemeißelt ist. Darüber wird stehend ein Pfeiler (langer Granitstein) mit quadratischem Querschnitt eingegraben, dessen Kopfstück etwa 20 cm aus der Erde ragt und ebenfalls ein Meißelkreuz trägt, das sich genau über dem Kreuz der unterirdischen Platte befindet. In Deutschland tragen die Pfeiler auf der Nordseite meist ein Dreieck und auf der Südseite die Buchstaben „TP“. In Österreich, Ungarn etc. ist hingegen „KT“ (Katastertriangulierung) genordet eingraviert; im Osten sind auch pyramidenförmig zugespitzte „KF“-Steine in Gebrauch.

Zur Absicherung werden wichtige TPs an zusätzliche Vermessungspunkte in unmittelbarer Nähe „angehängt“, d. h. durch Sperrmaße kontrollierbar versichert. Bei TPs in der Nähe von Gebäuden kann ein Teil der aufwändigen Vermarkung entfallen und z. B. durch Turmbolzen an Kirchen oder durch „Zwillings-Steine“ abgesichert werden. Für genaue Messungen der TPs untereinander wird der Bodenpunkt freigelegt und danach der Pfeiler wieder in seiner richtigen Lage eingegraben. Für alle anderen Zwecke („örtlicher Anschluss“) reicht in der Regel die Kreuzmarke auf der Steinoberfläche.

TPs sind nicht als Höhenfestpunkte zu betrachten, denn durch das Ein- und zeitweilige Ausgraben der Pfeiler kann ihre Höhe von dem in Punktkarten auf cm angegebenen Wert abweichen. Zur Kontrolle der horizontalen Lage werden nach Möglichkeit in der unmittelbaren Nähe noch einige Sicherungspunkte angelegt, deren Abstand zum TP (Kreuz) genau bekannt ist. In Ortschaften können Bodenpunkte auch an Straßen oder Gehwegen in kleinen Vertiefungen liegen, die durch einen Deckel verschlossen sind. Für TPs mit niedriger Priorität (4. bis 5.Ordnung, s.unten) sind auch abdeckbare Metallmarken in Gebrauch.

Vermessungspfeiler und Signalbauten
Manche Punkte im Netz erster Ordnung oder wichtige Kontrollpunkte z. B. bei Staumauern werden anstelle von Granitsteinen mit Vermessungspfeilern vermarkt, die etwa 120 cm hoch sind. Sie müssen mindestens 80 cm tief fundiert oder direkt auf gewachsenem Fels errichtet werden (Frosttiefe ~60 cm). Der Querschnitt beträgt mindestens 35×35 cm, in den oben eine Edelstahl- oder Messingplatte eingelassen ist, auf die das Messinstrument (Universalistrument, Theodolit usw.) genau zentrisch aufgesetzt wird. Astronomische und Laplacepunkte haben i.A. einen größeren Querschnitt, um auch ein Passageinstrument oder ein Astrolabium aufstellen zu können. Für besonders heikle Messungen – z. B. auf den Portalpunkten eines Tunnels – wird für den Beobachter ein hölzernes Podest errichtet, um der geringsten Pfeilerneigung vorzubeugen.

Zur Verdichtung und Überprüfung von trigonometrischen Netzen der Landesvermessung wurden die TP früher mit eigenen Signalbauten (Hochstände oder „Pyramiden“) aus Holz oder Metall gekennzeichnet. Diese Signale wurden oft permanent errichtet, da sie für Winkelmessungen aus größerer Entfernung (3 bis 30 km) angezielt werden mussten. Auf besonders wichtigen TP wurden diese Signale als Türme mit zu 40 m Höhe errichtet. Wegen der guten Sichtverhältnisse wurden zahlreiche Signal- und Beobachtungstürme später als Aussichtspunkte entdeckt und ausgebaut:
TPs auf Aussichtswarten (Auswahl)
Ameisberg und Nebelstein im Mühl- und Waldviertel, Österreich
Annaturm auf dem Bröhn im Deister, Deutschland
Aubergwarte auf dem Auberg, Österreich
Ebersnackenturm auf dem Ebersnacken, Deutschland
Aussichtsturm auf dem Eschkopf, Deutschland
Hermannskogel-Warte bei Wien (früherer Fundamentalpunkt Österreichs)
Radspitzturm auf der Radspitze, Deutschland
Aussichtsturm auf dem Sněžník (Hoher Schneeberg), Tschechien/Polen
Bismarckturm auf dem Tanecnice (Tanzplan), Tschechien
Dazu kommen zahlreiche TPs auf Aussichtsplattformen von Berggipfeln.
Da man in den letzten Jahren die Koordinaten von Neupunkten zunehmend mit satellitengestützten Verfahren (GPS) bestimmt, werden die Signalbauten entbehrlich. Kleinere Signalbauten kann man vereinzelt noch finden, in Gebirgsländern vor allem als Stangensignale. Vermessungspunkte auf schwer zugänglichen Bergen in Asien oder Amerika werden auch noch durch „Steinmännchen“ (zentrisch aufgebaute Steinblöcke) signalisiert.

Netze 1. bis 4. Ordnung
Auf dem Grundlagennetz der Triangulationspunkte 1. Ordnung – die in etwa 20-50 km gegenseitiger Distanz liegen – bauen engmaschigere Vermessungsnetze auf: vom Netz 2. Ordnung mit etwa 10 km Punktdistanz – in der früher üblichen Arbeitsweise – bis herab zur 4. Ordnung in km-Abständen. Ab der 3. Ordnung sind die TPs weniger aufwändig vermarkt, weil sie bei Zerstörung oder beim Überwachsen leichter wieder hergestellt werden können. In Österreich, Ungarn und einigen Nachbarländern werden diese Punkte als etwa 80 cm tief reichende Granitsteine vermarkt und KT-Steine genannt (nach der früheren Kataster-Triangulation von Österreich-Ungarn).

In Niedersachsen gehen einige trigonometrische Punkte noch auf die Hannoveranische Landesvermessung von Carl Friedrich Gauß zurück. Ein besonderer Punkt ist der TP Rauenberg: Er ist der Fundamentalpunkt des Deutschen Hauptdreiecksnetzes (DHDN) – analog wie der oben erwähnte Hermannskogel für Österreichs Landesvermessung.

  • Quelle: Wikipedia
  • 7 Gedanken zu „TP-Stein

    1. Quizzy

      Neben Infinitesimalrechnung hab ich mich beim (Abendschul-)Abitur auch mit Trigeometrie rumgeschlagen … und nachdem ich’s endlich begriffen hatte, hat’s mir wirklich Spaß gemacht … aber dank deines Blogs kapier ich jetzt endlich, wofür sowas im echten Leben gut sein kann! 😉

      Liebe Grüße
      Renate

      PS: Hol dir mal bei mir deinen Award ab … und das steinharte Lebkuchenherz darfst auch mitnehmen! 😀

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    2. Eveline

      Wenn du so weitermachst mit lauter so mathematischem Kruscht kannst du gleich zusätzlich die Buchhaltung übernehmen, alles werden wir da nicht black machen können :mrgreen:

      Sonnig gelbes Wochenende wünsch ich 🙂
      Huggels, Eveline

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    3. Elke

      Und ich dachte erst, das sei ein Fässchen mit Branntwein für Erschöpfte und Lawinenopfer. Wieder was Neues gelernt.
      Lieben Gruß
      Elke

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    4. Hermann Josef

      Liebe Helga,
      das ist ja fast vor meiner Tür … ich arbeite in Heilbronn und hatte lange Zeit Büro mit Blick auf Wartberg, das war sehr entspannend, wenn man Raum für Gedanken benötigte.
      Wünsche Dir von Herzen alles Gute und schönes Wochenende.
      Beste Grüsse von
      Hermann Josef

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    5. Eva

      Wieder was gelernt …. wünsche Dir ein steinreiches Wochenende …. Daunenzartehuggelgrüße von Eva 😉

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    6. Ocean

      Guten Abend, liebe Helga 🙂

      das ist ja wieder was ganz „Regionales“ für mich, toll! aber den Punkt hab ich noch nie gesehen. Müssen mal wieder zum Wartberg hoch 😉 danke dir für die Anregung …

      ich wünsch dir einen gemütlichen Abend und einen schönen, relaxten Sonntag,

      ganz liebe Grüsse zu dir nach GAP 🙂
      Ocean

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