Reiffenstein


Frankfurt a.M., Tuchgaden
1871 Aquarell, 18,2 x 13,3 cm

Carl Theodor Reiffenstein (* 12. Januar 1820 in Frankfurt am Main, † 6. Dezember 1893 ebenda) war ein deutscher Architektur- und Landschaftsmaler.

Reiffenstein stammte aus einer seit 1582 in Frankfurt nachweisbaren Familie. Seine Eltern waren der Bierbrauer Johann Georg Reiffenstein (1774–1845) und dessen zweite Ehefrau Annemaria geb. Hoffmann (1772–1847). Er wuchs in der damals noch mittelalterlich geprägten Frankfurter Altstadt auf und zeigte schon früh Interesse an einer künstlerische Ausbildung. Seine Technik lernte er bei dem Frankfurter Theatermaler Hoffmann, vor allem aber am Städelschen Kunstinstitut, wo in den Jahren 1833 bis 1846 insbesondere Jakob Becker und Friedrich Hessemer seine Lehrer waren.

In seinen frühen selbständigen Arbeiten zeigt sich der Einfluss der Düsseldorfer romantischen Malerschule, vor allem von Carl Friedrich Lessing und Alfred Rethel, die beide in den 1830er-Jahren in Frankfurt wirkten (u.a. im Kaisersaal des Römers). Reiffenstein schuf über 2000 Aquarelle und Zeichnungen, vornehmlich historischer Frankfurter Bauten. Sie stellen in ihrer Gesamtheit ein einzigartiges Dokument dar, weil sie das Ende eines Zeitalters festhalten. Die Stadt dehnte sich damals in die neuen, außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern gelegenen Stadtviertel aus, während in der Altstadt viele traditionsreiche Baudenkmäler verschwanden. Reiffenstein bedauerte nicht nur den Verlust dieser „wahrhaften Schönheiten“, sondern beobachtete auch, wie sehr sich dadurch die Sitten und Lebensgewohnheiten der Bewohner änderten: Um 1830 erhielten die Häuser der Altstadt Wasserleitungen, und es wurde aus hygienischen Gründen verboten, Vieh in der engen Altstadt zu halten und zu schlachten.

Reiffenstein empfand die Veränderung als einen Verlust von Einfachheit und Natürlichkeit des Stadtlebens. Er zeichnete unermüdlich die alten Gassen, Plätze, Brunnen, Tore und Bürgerhäuser auf, oftmals nur Tage, bevor sie den Neubauten und Straßendurchbrüchen weichen mussten. Neben diesen Dokumenten hinterließ er auch historisierende Illustrationen, z.B. in den Bildern zu Goethes Dichtung und Wahrheit.

Seine Darstellungen zeigen sich durch außerordentliche Genauigkeit im Detail aus. Bemerkenswert ist, dass er keine Darstellungen der großen Plätze Frankfurts hinterließ oder der gefeierten Neubauten, wie des rekonstruierten Doms oder des Opernhauses.

Reiffenstein gehörte zum Freundeskreis der Kronberger Malerkolonie. 1867 heiratete er Karoline Natalie Mannskopf. Nach ihrem Tod am 11. März 1892 traf ihn ein leichter Schlaganfall. Er starb am 6. Dezember 1893 an Influenza und wurde auf dem Hauptfriedhof begraben. Zum Gedenken an ihn ist ein Platz in der Frankfurter Innenstadt benannt.

  • Quelle: Wikipedia
  • Bild und Steinwurf: Ungenannter Werfer

3 Gedanken zu „Reiffenstein

  1. Ocean

    Liebe Helga,

    hab Dank für diese Informationen zu Reiffenstein – ich hatte zuvor noch nie von ihm gehört. Mit Sicherheit hat er wertvolle Zeit-Dokumente geschaffen dadurch, daß er die Stadt vor ihrer Veränderung bzw. in ihren verschiedenen Bau-Stadien gezeichnet hat.

    Einfach toll finde ich den Wunschstein!

    Ganz viele liebe Grüße an dich 🙂 🙂

    Ocean

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  2. Miyelo

    Das ist schon interessant, wieviel Künstler doch in Frankfurt und im Taunus gelebt haben. Neben der Kronberger Malerkolonie gab es auch das „Blaue Haus“ in Hofheim, unweit der Klinik, in der ich gerade bin. 1920 erwarb Hanna Bekker vom Rath den Landsitz eines Frankfurters am Kapellenberg und verlieh dem Haus eine blau-gelbe Farbgebung. Hier lebten und arbeiteten viele Künstler. Ich muss es nochmal fotografieren. Hab ich vor ein paar Jahren schonmal gemacht, aber ich glaube, dieses Bild existiert nicht mehr. Danke für deine interessanten Informationen.
    Liebe Grüße aus Frankfurt (und Hofheim am Taunus)
    Elke

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