Die Eppsteiner

Es hauste in den wirren Felsenschluchten und dunklen Gebirgtälern um das heutige Eppstein ein wilder Riese, der lauerte den Jungfrauen auf, und wenn er eine fing, geschah ihr mehr nach seinem Willen als nach dem ihren. Einstmals gelang es ihm, ein Fräulein von Falkenstein, das der edle Ritter Eppo liebte, hinwegzuführen.  

Der Ritter folgte eilend dem Riesen nach, um mit ihm zu kämpfen oder ihn durch List zu besiegen. Er hatte ein eisernes Netz, das er auf dem Wege zum Riesen auslegte. Damit der ihn nicht sogleich erkenne, mußte der Knappe Eppos Gewand und Rüstung anlegen, und Eppo trug die des Knappen. 

Der Riese kümmerte sich keinen Deut um den Ritter, er war mit all seinen Gedanken nur bei seiner Gefangenen und trachtete danach, ihr zu tun wie den andern. Aber ein Schutzgeist war mit und bei ihr, gegen den weder des Riesen Stärke noch seine Zaubermacht, denn er war auch ein Zauberer, etwas vermochte. Voll Grimm darüber wandte sich nun der Riese gegen Eppo, und da er ihn daherkommen sah, gebrauchte er seine Zauberkunst und Macht. Er verwandelte Eppos Dienstmann in einen Felsen und eilte vorwärts, um auch alles Gefolge des Ritters unschädlich zu machen. Darüber aber stürzte er in das eiserne Netz, zappelte darin gewaltig, konnte es aber nicht zerreißen. 

Nun kam der Ritter, der sich verborgen gehalten, in Knappentracht hervor, schleppte den Riesen auf einen hohen Felsen und stürzte ihn von da herunter, worauf er die Gefangene des Riesen befreite und sie zum Ehgemahl gewann. Den verzauberten Dienstmann konnte Eppo leider nicht lösen, der steht heute noch starr und steif wie ein Felsen und ist ein Felsen und heißt der Mannstein.

Darauf erbaute Ritter Eppo eine neue Burg auf den Fels, von dem er den Riesen herabgestürzt hatte, und das wurde der Eppstein.

Quelle: Ludwig Bechstein, Märchen und Sagen, 1954 Droemersche Verlagsanstalt München      

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